Biologische Vielfalt und Ökosysteme (E4)

Allgemeine Angaben im Zusammenhang mit biologischer Vielfalt und Ökosystemen

Im Rahmen der Überprüfung unserer Nachhaltigkeitsstrategie ermittelten wir Biodiversität als integralen Bestandteil unseres strategischen Fokusfeldes Wasser- und Ressourcennutzung. Zudem ist das Thema Biodiversität ebenso verknüpft mit unseren strategischen Fokusfeldern nachhaltige Innovationen und Technologien für unsere Kunden, nachhaltige und transparente Lieferkette, Klimawandel und Emissionen. Ausschlaggebend für diese Zuordnung waren auch die ersten Schritte, die wir unternommen haben, um die Verknüpfung unserer Geschäftstätigkeiten auf die Biodiversität zu ermitteln. Ein zentraler Bestandteil war dabei, ein besseres Verständnis bestehender Rahmenwerke wie der Taskforce on Nature-related Financial Disclosure (TNFD) und der Science Based Target for Nature (SBTN) zu erlangen. Auf dieser Grundlage haben wir unsere Roadmap Biodiversität erarbeitet. Das Ziel unserer Roadmap ist es Biodiversität in unsere Geschäftstätigkeiten zu integrieren. Die Roadmap ist in sechs Schwerpunkte unterteilt, um unter anderem Abhängigkeiten sowie finanzielle Risiken und Chancen im Kontext von Biodiversität zu verstehen und daraus konkrete Zielsetzungen für die Zukunft zu formulieren. 

Die Widerstandsfähigkeit unserer Strategie und unseres Geschäftsmodells in Bezug auf Biodiversität und Ökosysteme haben wir noch nicht umfassend analysiert, dies ist für 2025 geplant. Im Berichtsjahr wollten wir auf Basis von Datenanalysen zunächst ein Verständnis für die Biodiversität im Kontext unserer Geschäftstätigkeit erlangen.

Wir haben bereits erste Bewertungen für relevante Einzelaspekte im Bereich Biodiversität, wie beispielsweise Wasserentnahme, durchgeführt. Wir bestimmten anhand eines Wasserrisikofaktors, ob ein Produktionsstandort in einem Wasserstressgebiet liegt. Weitere Informationen finden sich unter „Wasser- und Meeresressourcen (E3)“. Im Jahr 2022 führten wir eine qualitative Bewertung der klimatischen Risiken und Abhängigkeiten durch, die die vorgelagerten und nachgelagerten sowie Aktivitäten im eigenen Betrieb umfasste. Diese qualitative Bewertung ergänzten wir mit einer quantitativen Klima-Szenarioanalyse in den Jahr 2023 und 2024, die sich auf vorgelagerte Aktivitäten und unsere eigenen Betriebe konzentrierte. Diese Bewertungen identifizierten klimabezogene Risiken und Chancen unter Berücksichtigung von zwei Klimapfaden: einem 1,5°C-Szenario und einem 4°C-Szenario, über verschiedene Zeitrahmen hinweg (2030 und 2050). Weitere Informationen zu unserer Klimaresilienzanalyse finden sich unter „Klimawandel (E1)“. Bisher haben wir keine transitorischen und physischen Risiken und Chancen im Zusammenhang mit Biodiversität und Ökosystemen identifiziert.

Unter Berücksichtigung der zukünftigen Anforderungen der Gesellschaft, unserer Stakeholder und unserer eigenen Ambitionen planen wir, eine Biodiversitätsstrategie für alle Unternehmensbereiche und deren Lieferketten auszuarbeiten und umzusetzen. Betroffene Gemeinschaften wurden bis jetzt nicht berücksichtigt.

Unsere wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen im Zusammenhang mit biologischer Vielfalt und Ökosystemen (E4 SBM-3)

Wir führten eine Wesentlichkeitsanalyse gemäß ESRS 1 durch und analysierten in diesem Rahmen unsere Wertschöpfungskette und die jeweiligen Auswirkungen, Risiken und Chancen. Im Anschluss bewerteten wir die identifizierten Auswirkungen, Risiken und Chancen und ermittelten für das Thema Biodiversität eine potenzielle negative Auswirkung. Die Beschreibung des Prozesses zur Ermittlung von Auswirkungen, Risiken und Chancen findet sich unter ESRS-2 IRO-1. Unsere Berichterstattung zum Thema Biodiversität konzentriert sich auf die folgende Auswirkung:

ESRS E4 SBM-3 – Direkte Ursachen des Biodiversitätsverlusts: Landnutzungsänderungen, Süßwasser- und Meeresnutzungsänderungen

Direkte Ursachen des Biodiversitätsverlusts: Landnutzungsänderungen, Süßwasser- und Meeresnutzungsänderungen

Kennung

 

E4-NI-01

Wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen

 

Potenzielle negative Auswirkungen

Zeithorizont

 

Mittelfristig (3 – 5 Jahre)

Wertschöpfungsstufe

 

Vorgelagert; eigenes Geschäft

Beschreibung

 

Als Hersteller von chemischen und pharmazeutischen Produkten entnehmen wir Wasser und andere Ressourcen; zudem produzieren wir in unserer gesamten Wertschöpfungskette Abwasser und feste Abfälle. Dies kann Einfluss auf den Zustand von Ökosystemen an Land und Wasser haben.

Damit wir ein umfassendes Bild davon gewinnen können, wie unsere Standorte die Biodiversität beeinflussen und um deren Entwicklung zu verfolgen, analysieren wir regelmäßig auf Basis der Daten von Integrated Biodiversity Assessment Tool (IBAT) das Umfeld rund um unsere Standorte in Bezug auf Biodiversitäts-Schwerpunktgebiete. Wir haben bei der Analyse die Leistungen des Ökosystems berücksichtigt. Wir haben sowohl die Anzahl als auch die Fläche der Standorte ermittelt, die sich in der Nähe von Biodiversitäts-Schwerpunktgebieten befinden. Diese Analyse dient gleichzeitig der Vorbereitung der Bestimmung relevanter Einflussfaktoren im Hinblick auf Landnutzungsänderung, Süßwasser- und Meeresnutzungsänderung. Biodiversitäts-Schwerpunktgebiete sind nach IBAT definiert als Gebiete weltweit, die für den Erhalt der Biodiversität in terrestrischen, Süßwasser- und Meeresökosystemen von entscheidender Bedeutung sind. Die Bewertung basiert auf der „World Database of Key Biodiversity Areas“, die Biodiversitäts-Schwerpunktgebiete fünf Kategorien zuordnet: Unersetzlichkeit, bedrohte biologische Vielfalt, geografisch begrenzte biologische Vielfalt, ökologische Integrität und biologische Prozesse. Die benötigten Informationen werden hauptsächlich von den nationalen Regierungen zur Verfügung gestellt und können unvollständig sein. Zudem ist dieser Prozess noch nicht in allen Ländern abgeschlossen. IBAT nutzt die Daten für die Identifikation der Biodiversitäts-Schwerpunktgebiete. Die Methode wurde von keiner anderen als der für die Qualitätssicherung zuständigen externen Stelle, IBAT, validiert.

Für unsere Analyse wählten wir die Standorte aus, die nach ISO 14001 als Produktionsstandorte klassifiziert sind. Um zu bestimmen, ob ein Produktionsstandort in der Nähe eines Biodiversitäts-Schwerpunktgebietes liegt, analysiert IBAT das Umfeld in einem Umkreis eines Kilometers. Die Größe des gewählten Umkreises hängt von der Industriezugehörigkeit ab. Als chemisch-pharmazeutisches Unternehmen können wir den Umkreis für die Analyse so begrenzen, dass keine Produktionsstandorte anderer Unternehmen in die zu analysierende Zone eingebunden werden. Das Ergebnis unserer Analyse ist, dass sich weltweit 10 unserer 108 Produktionsstandorte, mit einer kumulierten Fläche von 135 ha, im 1-Kilometer-Umkreis von Biodiversitäts-Schwerpunktgebieten befinden. Die Bestimmung der Nähe zu einem Biodiversitäts-Schwerpunktgebiet gibt uns einen ersten Hinweis auf mögliche Auswirkungen auf Biodiversität. Auf Grundlage dieser ersten Indikation werden wir im Jahr 2025 tiefergehende Analysen durchführen, um weitere spezifische Parameter zu entwickeln.

Basierend auf dem Rahmenwerk der Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD) haben wir eine vorläufige Analyse durchgeführt, um unseren Einfluss und Abhängigkeit in Bezug auf Wasser- und Landnutzung zu identifizieren und bewerten zu können. Hierzu nutzten wir unsere Einkaufsdaten aus dem Jahr 2023. Eine externe Software analysierte diese Daten und erstellte ein Profil für die jeweilige Region. Durch diese Profile erhielten wir einen ersten Eindruck davon, in welchen Regionen eine Abhängigkeit und ein Einfluss auf Biodiversität besteht. In Asien und in Nord- und Südamerika konnten wir eine mögliche Abhängigkeit sowie Einfluss auf Wasser- und Landnutzung feststellen.

Die folgende Tabelle zeigt unsere Produktionsstandorte in der Nähe von Biodiversitäts-Schwerpunktgebieten gemäß der IBAT-Analyse und deren Fläche.

ESRS E4 SBM-3 – Produktionsstandorte in der Nähe von Biodiversitäts-Schwerpunktgebieten

Produktionsstandort

 

Ort

 

Land

 

Standortfläche
(in ha)1

Merck Performance Materials S.A.S

 

Trosly-Breuil

 

Frankreich

 

1

Merck Surface Solutions GmbH

 

Gernsheim

 

Deutschland

 

95

Sigma-Aldrich Chemie GmbH

 

Steinheim

 

Deutschland

 

7

Merck Performance Materials GmbH

 

Wiesbaden

 

Deutschland

 

2

Merck Millipore Ltd.

 

Cork

 

Irland

 

1

Merck Electronics Ltd.

 

Shizuoka

 

Japan

 

7

Merck Ltd.

 

Tokio

 

Japan

 

1

Merck Performance Materials Ltd.

 

Poseung

 

Südkorea

 

2

Merck S.L.U.

 

Mollet del Vallès

 

Spanien

 

16

Merck S.L.U.

 

Tres Cantos

 

Spanien

 

1

1

Angaben in Hektar gerundet.

Die beschriebenen Analysen geben uns Anhaltspunkte über unseren Einfluss und Abhängigkeiten in Bezug auf Biodiversität. Wir können aber auf Basis der vorliegenden Daten keine Aussage dazu treffen, ob unsere Tätigkeiten wesentliche negative Auswirkungen auf betroffene Gebiete in Form von Bodenverschlechterung, Bodenversiegelung und Wüstenbildung haben, oder bedrohte Arten beeinträchtigen. Daher planen wir weitere Analysen durchzuführen, um unsere tatsächliche Abhängigkeit und unseren Einfluss auf die Biodiversität zu ermitteln.

Unsere Standorte sind weltweit nach ISO 14001 zertifiziert, was sicherstellt, dass unsere Produktionsprozesse so konzipiert und durchgeführt werden, dass negative Auswirkungen auf die Biodiversität im regulären Geschäftsbetrieb möglichst ausgeschlossen werden können. Zudem haben wir Maßnahmen implementiert, um im Falle von Zwischenfällen negative Umweltauswirkungen, auch auf Biodiversität, zu verhindern.

Unsere Policies im Zusammenhang mit biologischer Vielfalt und Ökosystemen (E4-1; E4-2)

ESRS E4-1-2 – Verhaltenskodex für Lieferanten

Verhaltenskodex für Lieferanten

Bezug zu wesentlichen Auswirkungen, Risiken und/oder Chancen

 

Kennung E4-NI-01

Wesentlicher Nachhaltigkeitsaspekt

 

Landnutzungsänderungen, Änderungen der Süßwassernutzung, Änderungen der Meeresnutzung

Inhalt

 

Die Policy beschreibt die Erwartungen an unsere Lieferanten und Sales Intermediates in Bezug auf Menschenrechte, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Ethik und Unternehmensintegrität, Umweltschutz, Tierschutz sowie kontinuierliche Verbesserung und Lieferantenmanagement. Es wurde ein standardisiertes Verfahren eingerichtet, um sicherzustellen, dass unsere Lieferanten die Policy anerkennen. Group Procurement ist dafür verantwortlich, die Nachhaltigkeitsanforderungen in die relevanten Phasen unserer Beschaffungs- und Lieferantenmanagementprozesse zu integrieren. Seit 2023 ist die Policy in den Allgemeinen Einkaufsbedingungen enthalten, die unseren Bestellungen beigefügt sind.

Anwendungsbereich

 

Die Policy gilt weltweit für alle unsere Anbieter von Waren und/oder Dienstleistungen (Lieferanten) sowie für Sales intermediates (zum Beispiel Händler, Vertriebspartner, Großhändler und Wiederverkäufer).

Verantwortlichkeit

 

Chief Procurement Officer und Group General Counsel

Standards/Initiativen Dritter

 

Die Policy berücksichtigt unter anderem den UN Global Compact, die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, die ILO-Kernarbeitsnormen, die EU-Konfliktmineralienverordnung (EU) 2017/821, den Dodd-Frank Wall Street Reform and Consumer Protection Act, Abschnitt 1502, den OECD-Leitfaden für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht zur Förderung verantwortungsvoller Lieferketten für Minerale aus Konflikt- und Hochrisikogebieten, das Greenhouse Gas Protocol, die ISO-Norm 50001 über Energiemanagement, das Minamata-Übereinkommen, das Stockholmer-Übereinkommen über persistente organische Schadstoffe (POP), die Ellen MacArthur Foundation, das Basler-Übereinkommen über die Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung, die ETS123 Anhang A und die aktuelle Fassung des ILAR-Leitfadens.

Berücksichtigung Interessen von Interessenträgern

 

Die Policy wurde unter Berücksichtigung der Interessen von internen und externen Stakeholdern und Experten entwickelt.

Verfügbarkeit

 

Die Policy ist intern im Intranet und öffentlich auf unserer Website verfügbar. In unseren Bestellungen wird grundsätzlich über einen Link zu den Allgemeinen Einkaufsbedingungen auf die Policy verwiesen; sie ist auch in neuen oder geänderten Verträgen enthalten.

ESRS E4-1-2 – Access to Genetic Resources

Access to Genetic Resources

Bezug zu wesentlichen Auswirkungen, Risiken und/oder Chancen

 

Kennung E4-NI-01

Wesentlicher Nachhaltigkeitsaspekt

 

Landnutzungsänderungen, Änderungen der Süßwassernutzung, Änderungen der Meeresnutzung

Inhalt

 

Die Policy definiert die Rollen und Verantwortlichkeiten sowie das Verfahren, das beim Zugang zu und der Nutzung von genetischem Material zu befolgen ist. Ziel ist es, die Einhaltung der Verpflichtungen bezüglich des Zugangs und Vorteilsausgleichs (Access and Benefit Sharing, ABS) zu gewährleisten. Im Hinblick auf Biodiversität bezieht sich die Policy auf Landnutzungsänderung, Süßwassernutzungsänderung und Meeresnutzungsänderung.
Wir unterstützen alle Ziele des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD), einschließlich des dritten Ziels zur fairen und gerechten Aufteilung der Vorteile, die sich aus der Nutzung genetischer Ressourcen ergeben. Wir verpflichten uns zur Einhaltung der ABS-Verpflichtungen, wie sie im Nagoya-Protokoll und den entsprechenden nationalen Gesetzen festgelegt sind, und unterstützen bei der Entwicklung von Prozessen und Verfahren in Bezug auf die Einhaltung der ABS-Verpflichtungen. Zudem arbeiten wir kontinuierlich daran, dass unsere Prozesse und Verfahren im Rahmen des Qualitätsmanagementsystems umgesetzt werden.

Anwendungsbereich

 

Die Policy gilt für unsere vorgelagerte Wertschöpfungskette sowie auf konzernweiter Ebene für Funktionen im Bereich Forschung und Entwicklung. Die Policy regelt alle Tätigkeiten, bei denen genetisches Material, einschließlich genetischer Ressourcen, damit assoziiertes traditionelles Wissen, Derivate und/oder digitale Sequenzinformationen verwendet werden. Alle Länder, die genetische Ressourcen oder traditionelles Wissen zur Verfügung stellen, und ihre zuständigen Behörden sind angehalten unsere Policy einzuhalten.

Verantwortlichkeit

 

Head of Corporate Sustainability und ernannte Personen in den Unternehmensbereichen (Regulatory Managers).

Standards/Initiativen Dritter

 

Wir unterstützen die allgemeinen Grundsätze des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD), darunter insbesondere das dritte Ziel: die gerechte und ausgewogene Verteilung der Vorteile, die sich aus der Nutzung genetischer Ressourcen und traditionellen Wissens ergeben – gemäß den Bedingungen des Nagoya-Protokolls, einer internationalen Zusatzvereinbarung zum CBD. Außerdem orientiert sich unsere Policy an relevanter EU-Regulatorik (unter anderem Official Journal of the European Union C313, Volume 59, 27. August 2016, 2016/C 313/01; Verordnung [EU] Nr. 511/2014 des Europäischen Parlaments und des Rats vom 16. April 2014.

Berücksichtigung Interessen von Interessenträgern

 

Die Policy entwickelten wir unter Einbeziehung der Interessen interner Stakeholder.

Verfügbarkeit

 

Die Policy ist intern im Intranet verfügbar.

Die Policies im Zusammenhang mit biologischer Vielfalt und Ökosystemen (E4) werden regelmäßig überwacht und aktualisiert.

Unsere konzernweite Policy Access to Genetic Resources steht in direktem Zusammenhang mit unmittelbaren Einflussfaktoren, die zum Verlust der biologischen Vielfalt beitragen. Dazu zählen zum Beispiel Veränderungen der Land-, Wasser- und Meeresnutzung. Die Policy erläutert das Verfahren, zu dessen Einhaltung wir bei der Nutzung von genetischem Material oder genetischen Ressourcen verpflichtet sind und regelt den Zugang zu genetischen Ressourcen sowie die faire und gerechte Aufteilung der Vorteile, die sich aus der Nutzung genetischer Ressourcen ergeben. Wenn wir genetisches Material einschließlich genetischer Ressourcen für Forschungsvorhaben nutzen, streben wir an, den geschäftlichen Nutzen in angemessener Weise an das ökologische System zurückzugeben. Darüber hinaus fördert unsere Policy Access to Genetic Resources die Erhaltung und nachhaltige Nutzung von genetischen Ressourcen. Unser Ziel ist es, Forschung zu unterstützen, die zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und zum Artenschutz beiträgt. Bislang haben wir die sozialen Folgen von Auswirkungen im Zusammenhang mit biologischer Vielfalt und Ökosystemen nicht einbezogen. Die Policy basiert auf den Bestimmungen des Nagoya-Protokolls.

Nicht nur unsere Unternehmensbereiche haben mit ihrer Geschäftstätigkeit einen Einfluss auf das ökologische System, auch der Einfluss unserer Lieferanten durch Fertigung und Produktion ist zu beachten. Deswegen erwarten wir von unseren Lieferanten, dass sie geeignete Maßnahmen zum Schutz der Umwelt ergreifen. Gemäß unserem Verhaltenskodex für Lieferanten sind diese dafür verantwortlich, den Schutz der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme zu gewährleisten. Das umfasst die natürliche Umwelt, in der die Lieferanten tätig sind, einschließlich Luft, Wasser, Land, natürliche Ressourcen, Flora, Fauna, Menschen und deren Wechselbeziehungen. Die Beschaffung von Materialien, die zum Verlust biologischer Vielfalt (das heißt der genetischen Vielfalt, Artenvielfalt oder Vielfalt der Ökosysteme) oder zu einer Verschlechterung des Zustands von Ökosystemen führen könnten, gilt es zu vermeiden. Unsere Lieferanten sind angehalten eine Umwelt-Policy einzuführen und umzusetzen.

Wir sind verpflichtet, eine Vielzahl von Gesetzen und Vorschriften sowohl an den Standorten, an denen wir tätig sind, als auch in unserer Lieferkette einzuhalten. Wir haben Policies in Bezug auf Wasser, Umweltverschmutzung, Emissionen und Abfall umgesetzt und überwachen diese. Dies soll dazu beitragen unsere Auswirkungen auf ökologische Systeme zu minimieren. Unsere Policies und ISO-Zertifizierungen helfen uns dabei, dass unsere Produktionsstätten die Vorschriften zum Schutz der Ökosysteme einhalten. Wir planen ab 2025 eine Policy für Biodiversität einzuführen, die sich speziell auf unsere Aktivitäten in den Bereichen Land‑, Wasser- und Meeresnutzung bezieht.

Es besteht die Möglichkeit, dass wir durch unsere Geschäftstätigkeiten einen potenziell negativen Einfluss auf Ökosysteme haben. Deshalb arbeiten wir an einer „Roadmap Biodiversität“. Darin enthalten ist eine Biodiversitäts-Policy, die sich zum Beispiel mit Themen rund um direkte Biodiversitätsverluste wie Landnutzungsänderungen, Süßwasser- und Meeresnutzungsänderungen, aber auch sich mit nachhaltiger Land- und Wassernutzungswirtschaft sowie Meeren und Entwaldung befasst. Die Policy soll 2025 in Kraft treten. Die Bestimmungen der Biodiversitäts-Policy werden in die bestehenden Policies integriert, die für Themen im Zusammenhang mit Biodiversität relevant sind. Außerdem arbeiten wir daran die von der EU-Kommission beschlossene Entwaldungsverordnung für 2026 zu implementieren.

Unsere Maßnahmen und Mittel im Zusammenhang mit biologischer Vielfalt und Ökosystemen (E4-3)

Zuständig für die Erarbeitung und Ausgestaltung der Biodiversitätsstrategie ist die Einheit Group Corporate Sustainability. Sie ist auch für die Integration in die Unternehmensziele, Identifikation und Bewertung von Risiken und Zusammenarbeit mit verschiedenen Stakeholdern verantwortlich. Zudem gehört die Erstellung von Berichten über unsere Auswirkungen auf die Biodiversität und die Fortschritte bei der Umsetzung der Ziele in den Verantwortungsbereich von Group Corporate Sustainability.

Im Berichtsjahr war der Schwerpunkt unserer Maßnahmen in Bezug auf Biodiversität ein besseres Verständnis unserer Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und Ökosysteme zu erlangen sowie die Zertifizierung eines unserer Standorte. Die im Folgenden genannten Maßnahmen sind als fortlaufend zu betrachten und haben kein festes Abschlussdatum.

Rezertifizierung für einen Standort

Unser Standort in Vevey (Schweiz) wurde von der Schweizerischen Stiftung für Natur und Wirtschaft rezertifiziert und für sein Engagement für die Biodiversität als Pionier anerkannt. Diese Rezertifizierung bestätigt, dass wir an diesem Standort einen Beitrag zur Erhaltung und zum Schutz des ökologischen Systems leisten, indem wir heimische Bäume und Gewächse pflanzen. Wir verwenden keine Pflanzenschutzmittel, sondern setzen Ziegen ein, um das Wachstum von Brombeersträuchern und Unkraut zu kontrollieren. Zum Schutz der Tierwelt auf unserem Gelände überwachen wir 53 Arten, bauen Zufluchtsorte für Reptilien und Insekten, reservieren Flächen für die Erhaltung gefährdeter Arten und haben fünf Bienenstöcke aufgestellt, die mit minimalen menschlichen Eingriffen auskommen.

Maßnahme zum Vorteilsausgleich

Wir beziehen Algen aus der Bretagne für ein RonaCare® Produkt aus unserem Unternehmensbereich Electronics. In dieser Region unterstützten wir die regionale Organisation „Regionales Fischerei- und Aquakulturkomitee“ finanziell, um den Algenbestand zu erhalten und die ökologische Funktionsweise der Algen in der Bretagne zu bewerten und besser nachvollziehen zu können. So konnten wir eine Maßnahme zum Vorteilsausgleich als Teil unserer konzernweiten Policy Access to Genetic Resources umsetzen. Darüber hinaus schlossen wir diesen Fall mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Übereinstimmung mit den aktuellen EU-Vorschriften erfolgreich ab.

Verständnis für unsere Auswirkungen auf die Biodiversität gewinnen

Die Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD) ist eine Initiative, die ein Rahmenwerk entwickelt hat, mit dem Organisationen wie Unternehmen ihre naturbezogenen Risiken und Chancen bewerten und offenlegen können. Die TNFD misst der Biodiversität einen hohen Stellenwert bei und erkennt an, dass der Verlust der biologischen Vielfalt erhebliche Risiken für Unternehmen mit sich bringen kann, einschließlich Unterbrechungen der Lieferkette, Änderungen in der Regulatorik und Rufschädigung. Auf der Grundlage dieses Rahmenwerks haben wir die ersten Schritte zur finanziellen Quantifizierung unserer Abhängigkeiten von Biodiversität unternommen. Unser Ziel ist es, diese Daten für unsere Resilienzanalyse zu nutzen und sie in unserer Geschäftsstrategie zu berücksichtigen.

In einem ersten Schritt analysierten wir das Umfeld unserer eigenen Standorte mithilfe von Daten aus dem Integrated Biodiversity Assessment Tool (IBAT). In einem zweiten Schritt arbeiteten wir daran, Auswirkungen und Abhängigkeiten in unseren Unternehmensbereichen und unserer Lieferkette zu analysieren. Ziel war es, ein umfassendes Verständnis dafür zu erlangen, wie sich unsere Lieferkette auf die Biodiversität auswirken kann. Wir verwendeten Einkaufsdaten, um einen Überblick über die Standorte unserer relevanten Lieferanten in Bezug auf unsere Ausgaben zu erhalten. Dazu glichen wir diese Daten mit den Daten des IBAT ab und sind nun in der Lage, das Umfeld der Standorte unserer Lieferanten im Hinblick auf Biodiversitätsaspekte nachzuvollziehen. Wir planen, diese Daten in unserem Lieferkettenmanagement zu berücksichtigen und diese Maßnahme im Laufe des Jahres 2025 fortzusetzen. In einem dritten Schritt möchten wir bis Ende 2025 eine abschließende Bewertung durchführen.

Da sich unsere Maßnahmen im Jahr 2024 hauptsächlich auf das Verständnis unserer Auswirkungen auf die Biodiversität konzentrierten, machen wir derzeit keinen Gebrauch von Kompensationen. Wir konzentrieren uns stattdessen auf Vermeidung, Minimierung und Renaturierung. Dennoch diskutieren wir in externen Gremien, wie wir in Zukunft Kompensationen in unsere Maßnahmen einbeziehen können.

Indigenes Wissen und naturbasierte Lösungen haben wir nicht in unsere Maßnahmen einbezogen. In den kommenden Jahren werden wir unsere Maßnahmen weiter verfeinern.

Im Jahr 2024 ordneten wir den genannten Maßnahmen in Bezug auf Biodiversität keine signifikanten betrieblichen Aufwendungen (OpEx) oder Investitionsausgaben (CapEx) zu. Für 2025 planen wir ebenfalls kein signifikantes OpEx oder CapEx bereitzustellen.

Unsere Ziele und Kennzahlen für die Auswirkungen im Zusammenhang mit biologischer Vielfalt und Ökosystemen (E4-4; E4-5)

Für das Berichtsjahr hatten wir uns keine Ziele in Bezug auf Biodiversität gesetzt und können daher nicht über die Leistung und Effektivität solcher Ziele in Bezug auf Biodiversität berichten. Wir konzentrierten uns zunächst darauf, unsere Auswirkungen, Risiken und Chancen im Zusammenhang mit Biodiversität zu verstehen. Im Jahr 2025 werden wir an der Umsetzung einer Roadmap Biodiversität arbeiten. Für diese Roadmap planen wir, Ziele an den Schnittstellen zur Natur, zu operativen Zielen sowie zu Geschäftsmodell- oder Umsetzungsziele zu berücksichtigen. Ziele an der Schnittstelle zur Natur beziehen sich direkt auf die Natur oder auf bestimmte Einflussfaktoren (zum Beispiel die verbrauchte Wassermenge in Wasserstressgebieten), auf den Zustand der Natur (zum Beispiel den Zustand der Artenvielfalt im Umfeld eines Standorts) oder auf den Umfang und die Qualität einer Ökosystemleistung (zum Beispiel des verfügbaren Wassers). Operative Ziele beziehen sich auf Indikatoren, die die Natur betreffen, jedoch nicht direkt deren Auswirkungen oder Abhängigkeiten bewerten. Ein Beispiel hierfür ist die Wassereffizienz in industriellen Prozessen. Geschäftsmodell- oder Umsetzungsziele beziehen sich auf die Umsetzung von Maßnahmen (zum Beispiel den Anteil der zertifizierten Lieferkette) und auf Veränderungen im Geschäftsmodell (zum Beispiel den Grad der Kreislaufwirtschaft). Unsere geplanten Ziele sollen im Jahr 2025 vom Merck Sustainability Board bestätigt werden.

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