Beschreibung der Verfahren zur Ermittlung und Bewertung der wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen (IRO-1)

Die Bewertung der Auswirkungen erfolgte anhand eines Bewertungsbogens, in dem alle in den ESRS vorgegebenen Bewertungskriterien angewandt wurden. Demnach treten negative Auswirkungen auf, wenn das Unternehmen durch seine direkten oder indirekten Geschäftsaktivitäten der Gesellschaft und/oder der Umwelt Schaden zugefügt hat. Als positive Auswirkungen betrachten wir Aktivitäten, die weit über die Einhaltung von Gesetzen hinausgehen und einen klaren Mehrwert für die Umwelt und/oder die Gesellschaft schaffen. Bei der Bewertung berücksichtigten wir, ob es sich um eine tatsächliche oder potenzielle Auswirkung handelt, und bestimmten den Schweregrad anhand von Umfang und Ausmaß sowie die Eintrittswahrscheinlichkeit potenzieller Auswirkungen. Bei negativen Auswirkungen bezogen wir zusätzlich die Unabänderlichkeit der Auswirkungen ein.

Die Bewertung führten wir entlang unserer gesamten Wertschöpfungskette für alle unsere Unternehmensbereiche durch. Dabei berücksichtigten wir unser Produkt- und Dienstleistungsportfolio, unsere Vermögenswerte, unsere vielfältigen Geschäftsbeziehungen und unsere geografische Lage. Um zu bestimmen, welche Nachhaltigkeitsaspekte für die Berichterstattung wesentlich sind, bewerteten wir jede tatsächliche als auch als potentiell identifizierte Auswirkung einzeln und versahen sie mit einem quantitativen Schwellenwert. Auswirkungen, die als erheblich oder kritisch eingestuft wurden, betrachten wir als wesentlich für die Berichterstattung.

Um die finanzielle Wesentlichkeit zu bestimmen, bewerteten wir die Risiken und Chancen gemäß den ESRS-Anforderungen nach ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und dem potenziellen Ausmaß der finanziellen Effekte, die sich aus ihnen ergeben. Das Ausmaß eines Risikos oder einer Chance und die damit verbundenen Implikationen für EBITDA pre und/oder den operativen Cashflow bewerteten wir anhand von fünf Kategorien: unwesentlich, gering, moderat, erheblich oder kritisch. Die Eintrittswahrscheinlichkeit bestimmten wir innerhalb der Kategorien sehr unwahrscheinlich, unwahrscheinlich, möglich, wahrscheinlich oder wahrscheinlicher als nicht. Die Berechnung der finanziellen Gesamteffekte erfolgte durch die Multiplikation von Ausmaß und Wahrscheinlichkeit. Die Bewertungskriterien stimmten wir mit dem Risikomanagement unseres Unternehmens ab und berücksichtigten dessen Risikomatrix. Bei der Festlegung des Schwellenwerts berücksichtigten wir jedes Unter-(unter)thema einschließlich der zugrunde liegenden Risiken und Chancen sowie deren jeweilige quantitative Bewertungsergebnisse. Den Schwellenwert für die finanzielle Wesentlichkeit, der dem Schwellenwert von Group Risk Management entspricht, legten wir für alle Unter(unter)themen fest, deren Risiken und Chancen als erheblich oder kritisch eingestuft wurden. Bei der Identifizierung und Bewertung der IROs wählten wir einen Bruttoansatz, das heißt, es wurden keine Abhilfemaßnahmen berücksichtigt.

Wir führten eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse durch, um unsere wesentlichen IROs zu ermitteln. Der Prozess durchlief folgende Schritte:

  • Schritt 1 – Liste der Nachhaltigkeitsthemen und Identifizierung von IROs: Wir erstellten eine Themenliste, die auf den im ESRS 1 AR 16 aufgeführten Nachhaltigkeitsaspekten basiert, und glichen diese mit den Nachhaltigkeitsthemen aus der Wesentlichkeitsanalyse 2023 ab. Um die Liste der IROs zusammenzustellen, führten wir zusätzliche Recherchen in den SASB Standards und weiteren Datenbanken durch. Jedem IRO ordneten wir die entsprechenden ESRS-Unter(unter)themen zu. Für Risiken, einschließlich physischer und transitorischer Risiken, sowie Chancen berücksichtigten wir zusätzlich Risikobewertungen, wie sie zum Beispiel im Risikobericht, in Risikotabellen und im TCFD-Risikobericht zu finden sind. Die Bewertung führten wir für unsere gesamte Wertschöpfungskette durch und beachteten dabei auch länderspezifische Besonderheiten.
  • Schritt 2 – Abbildung der Wertschöpfungskette: Aufgrund der unterschiedlichen Natur der Geschäftsmodelle unserer Unternehmensbereiche ermittelten wir die Wertschöpfungskettenstufen pro Unternehmensbereich, um einen Überblick über unsere gesamte Wertschöpfungskette zu erhalten. Darauf aufbauend identifizierten wir die Geschäftsaktivitäten und damit verbundenen Branchen. Anschließend eruierten wir die zugrunde liegenden ESRS-Sektoren und -Industrien, indem wir den ESRS-SEC-1-Standard zur Sektorklassifizierung heranzogen. Soweit möglich gaben wir auch Abhängigkeiten von Ländern, geografischen Gebieten und Standorten, zum Beispiel im Zusammenhang mit Umweltverschmutzung, an.
  • Schritt 3 – Auflistung und Einbindung relevanter Stakeholder: Wir identifizierten interne und externe Stakeholder und unterteilten sie abhängig von ihrer Einbindung in den Gesamtbewertungsprozess der Wesentlichkeitsanalyse in zwei Gruppen: Interne Expertinnen und Experten der Konzernfunktionen, zum Beispiel Procurement, Human Resources und die Finanzabteilungen (Risk Management, Financial Reporting, Controlling), sowie Fachleute aus den drei Unternehmensbereichen waren an der detaillierten Identifizierung, Validierung und Bewertung der IROs in ihrem jeweiligen Fachgebiet beteiligt. Weitere externe und interne Stakeholder wurden über Fragebögen in die Validierung der Ergebnisse eingebunden. Die Natur berücksichtigten wir als stillen Stakeholder bei der IRO-Bewertung der jeweiligen Themen, beispielsweise Biodiversität. Während des Prozesses fanden keine direkten Konsultationen mit betroffenen Gemeinschaften statt.
  • Schritt 4 – Beschreibung der IROs: Wir analysierten, ob IROs für die identifizierten Geschäftsaktivitäten und die zugrunde liegenden Branchen der Wertschöpfungskette existieren. Dabei überprüften wir unsere Geschäftsaktivitäten unter anderem auch auf Auswirkungen, Risiken und Chancen im Zusammenhang mit Umweltverschmutzung, Wasser- und Meeresressourcen sowie Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft. Dem gesamten Prozess lag dabei ein ergebnisoffener Ansatz zugrunde. Neue Erkenntnisse, die entweder von internen Themenexpertinnen und -experten oder von anderen Stakeholdern stammen, nahmen wir bei Bedarf in alle Schritte des Ansatzes auf und berücksichtigten diese.
  • Schritt 5 – Bewertung der IROs: Wie in Schritt 3 beschrieben, wurden die identifizierten IROs von internen Experten in ihrem jeweiligen Fachgebiet auf der Grundlage abgestimmter quantifizierter Bewertungskriterien entlang der Wertschöpfungskette bewertet. Die Ergebnisse der Folgenabschätzung wurden durch die Einbeziehung interner und externer Stakeholder validiert, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse mit den Perspektiven der Stakeholder übereinstimmen.
  • Schritt 6 – Abschließende Überprüfung und Genehmigung: Schließlich validierten wir die Ergebnisse der Wesentlichkeit der Auswirkungen und der finanziellen Wesentlichkeit. Dazu durchliefen die Ergebnisse verschiedene Qualitätskontrollen, wie Überprüfung und Validierung durch das Management der Unternehmensbereiche, bevor sie schließlich durch das Merck Sustainability Board (MSB) genehmigt wurden.

Unser Prozess zur Identifizierung und Bewertung klimabezogener Auswirkungen, Risiken und Chancen

Unser Prozess zur Identifizierung und Bewertung klimabezogener Risiken und Chancen umfasste mehrere Schritte:

  • Identifizierung kritischer Standorte: Zuerst wählten wir die bedeutendsten Standorte für unsere globalen Geschäftsaktivitäten aus, wobei unter anderem deren Gesamtversicherungswert berücksichtigt wurde.
  • Analyse des Treibhausgasinventars: Wir nutzten unsere bestehende interne Analyse, um die Emissionen unserer gesamten Geschäftstätigkeit zu bewerten. Dies hilft uns dabei, alle relevanten Quellen unserer Treibhausgasemissionen zu verstehen.
  • Identifizierung physischer Risiken: Wir führten daraufhin eine umfassende Bewertung klimabedingter physischer Risiken durch, indem wir potenzielle Gefahren wie Überschwemmungen, Hitzewellen und Stürme identifizierten. Bei der Bewertung berücksichtigten wir insbesondere das Hochemissionsklimaszenario (4,0 °C). Dabei betrachteten wir die Exposition und Sensitivität unserer Vermögenswerte und Aktivitäten gegenüber diesen Gefahren.
  • Transitorische Risken und Chancen: Wir bewerteten klimabedingte transitorische Risiken und Chancen in unseren Geschäftsaktivitäten und in unserer Wertschöpfungskette, indem wir wichtige Treiber für den Übergang zu einem 1,5 °C-Klimaszenario identifiziert haben. Anschließend bewerteten wir, inwiefern unsere Aktivitäten und Finanzen diesen Variablen ausgesetzt sein könnten, und nutzten dafür Quantifizierungen der transitorischen Bruttorisiken und -chancen.
  • Risikobewertung: Wir analysierten historische Daten, wissenschaftliche Studien und Expertenmeinungen, um die Wahrscheinlichkeit und die Eigenschaften potenzieller katastrophaler Ereignisse in bestimmten Bereichen zu bestimmen. Für relevante Risiken bewerteten wir die potenziellen Auswirkungen mit und ohne Maßnahmen zur Risikominderung, wobei beispielsweise strategische Investitionen in erneuerbare Energien und die Verbesserung der Energieeffizienz berücksichtigt wurden.
  • Expositionsanalyse: Wir identifizierten und quantifizierten die gefährdeten Vermögenswerte, die von Klimaereignissen betroffen sein könnten, wie Infrastruktur, Gebäude, Inventar und andere physische oder finanzielle Vermögenswerte.
  • Vulnerabilitätsanalyse: Wir bewerteten die Vulnerabilität exponierter Vermögenswerte, um zu verstehen, wie verschiedene Arten von Vermögenswerten von möglichen Klimaereignissen betroffen sein könnten und schätzten ihre Anfälligkeit für Schäden oder Verluste ein.
  • Ereignissimulation: Um mögliche Verluste abzuschätzen, simulierten wir die potenziellen Auswirkungen von Klimaereignissen, indem wir die Gefahrenmerkmale wie Intensität und Dauer mit der Vulnerabilität der Vermögenswerte kombinierten.
  • Verlustschätzung: Wir berechneten die erwarteten Verluste in Bezug auf die finanziellen Auswirkungen, einschließlich Sachschäden, Geschäftsausfälle, Haftungsansprüche und anderer relevanter Faktoren.

Bewertung klimabedingter Gefahren

Wir nutzten die Climate Risk Assessment (CRA)-Methodik und -Modelle eines externen Anbieters, um sowohl physische als auch transitorische Risiken beziehungsweise Chancen über verschiedene Zeitrahmen hinweg zu quantifizieren. Für physische Risiken sind diese mit der erwarteten Lebensdauer von Vermögenswerten, strategischer Planung und Kapitalallokation verbunden. Die Identifizierung von klimabedingten Gefahren und die Bewertung der Exposition und Sensitivität basieren auf einem Hochemissionsklimaszenario und relevanten regionalen Klimaprognosen. Dieser Prozess umfasst eine detaillierte Analyse mit Hilfe von Klimamodellen, um die potenzielle Häufigkeit und Schwere von Gefahren zu bewerten. Wir bewerten systematisch die Exposition und Sensitivität unserer Vermögenswerte und Geschäftsaktivitäten unter Berücksichtigung geografischer, betrieblicher und zeitlicher Faktoren:

  • Wahrscheinlichkeit: Bewertung der Eintrittswahrscheinlichkeit für jedes identifizierte Risiko auf der Grundlage historischer Daten und Klimamodelle.
  • Ausmaß: Bewertung des potenziellen Schweregrads jeder Gefahr und ihres Ausmaßes an Auswirkungen auf unsere Geschäftstätigkeit und Vermögenswerte.
  • Dauer: Berücksichtigung der voraussichtlichen Dauer jeder Gefahr, um potenzielle langfristige Auswirkungen auf unsere Geschäftstätigkeiten zu verstehen.
  • Geografische Koordinaten: Einbeziehung von Geodaten zur Analyse bestimmter Standorte unserer Geschäftstätigkeit und Lieferketten, um Schwachstellen auf der Grundlage der geografischen Exposition gegenüber klimabedingten Gefahren zu ermitteln.

Dieser analytische Ansatz bildet die Grundlage für eine systematische Bewertung, inwieweit unsere Vermögenswerte und Geschäftstätigkeiten diesen Gefahren ausgesetzt sein könnten. Die Analyse der physischen klimabedingten Gefahren basiert auf geografischen Koordinaten, die eine Bewertung der Vulnerabilität ermöglichen.  

Im Allgemeinen ergeben sich wesentliche Risiken und Chancen aus Auswirkungen, Abhängigkeiten oder anderen Faktoren, zum Beispiel der Exposition gegenüber Klimagefahren oder regulatorischen Änderungen, die systemische Risiken betreffen. Daher prüften wir, ob sich aus den identifizierten wesentlichen Auswirkungen finanzielle Risiken und Chancen ergeben. Darüber hinaus haben wir auch Risiken und Chancen bewertet und berücksichtigt, die nicht direkt mit einer Auswirkung verbunden sind.  

Die Risikobewertung folgt vordefinierten Ansätzen für quantitative und qualitative Bewertungen. Nachhaltigkeitsrisiken werden dabei wie andere Risikoarten entsprechend ihres Ausmaßes und ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit behandelt. Je nach Ausmaß und Eintrittswahrscheinlichkeit ist eine anschließende Priorisierung nach Kategorien wie erheblich oder kritisch möglich. Demnach haben Risiken, die hinsichtlich ihres Ausmaßes als erheblich oder kritisch eingestuft werden, eine Auswirkung auf das EBITDA pre und/oder den operativen Cashflow von jeweils über 100 Mio. €.

Gemäß dem Risikomanagement unseres Unternehmens sind alle Unternehmensbereiche verpflichtet, ein angemessenes lokales Risikomanagement zu gewährleisten. Dies umfasst regelmäßige und kontinuierliche Bemühungen zur Identifizierung, Bewertung, Überwachung und Steuerung lokaler Risiken. Die Unternehmensbereiche sind angehalten, die Risiken in einer aggregierten Weise zu analysieren, die einen realistischen Überblick über unser Gesamtrisikoprofil ermöglichen. Unsere Chancen werden im Rahmen der Strategieentwicklung oder der Prognoseprozesse identifiziert. Anschließend bewerten wir die Potenziale unter der Berücksichtigung von Chancen und Risiken sowie dem Einsatz von Szenarien, um einen gesamtheitlichen Blick auf mögliche Entwicklungen zu erhalten.

Die Wesentlichkeitsanalyse berücksichtigt unsere gesamte Wertschöpfungskette, das heißt unsere vorgelagerte und nachgelagerte Wertschöpfungskette sowie unser eigenes Geschäft. Wie in Schritt 1 beschrieben, stammen die Datenquellen für unsere Nachhaltigkeitsthemen aus der Wesentlichkeitsanalyse 2023 und weiteren Quellen. Entsprechend den themenspezifischen Anforderungen von E4 hat eine vorläufige Analyse über das IBAT-Tool ergeben, dass wir über eigene Standorte in der Nähe von wichtige Biodiversitätsgebieten verfügen. Die Daten lassen jedoch keine Aussage über unseren tatsächlichen Einfluss auf die Biodiversität in diesen Gebieten zu. Eine genaue Auflistung der Standorte sowie weitere Informationen finden sich unter E4-SBM-3.

Im Berichtsjahr entwickelten wir den Prozess der Wesentlichkeitsanalyse weiter. Er umfasst nun einen strukturierteren Ansatz für die Einbeziehung von Stakeholdern, einschließlich deren Identifizierung und Klassifizierung. Die Analyse folgt explizit einem doppelten Wesentlichkeitsansatz, der sowohl die Auswirkungen unseres Unternehmens auf die Umwelt und die Gesellschaft als auch die finanziellen Auswirkungen von Nachhaltigkeitsaspekten auf unser Unternehmen berücksichtigt. Darüber hinaus verwendeten wir bei der Bewertung standardisierte Kriterien für die Beurteilung der IROs. Für Risiken und Chancen stimmten wir diese mit dem Risikomanagement ab.

Die letzte Überarbeitung der Wesentlichkeitsanalyse erfolgte in Vorbereitung auf das Geschäftsjahr 2024. Neben der Anpassung an die Anforderungen der ESRS nahmen wir eine umfassende Überprüfung der bisher identifizierten Nachhaltigkeitsthemen sowie die Integration neuer Erkenntnisse, zum Beispiel von Stakeholdern, vor. Die Wesentlichkeitsanalyse wird jährlich überprüft, wobei die nächste Überprüfung für das 1. Halbjahr 2025 geplant ist.

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