Operative Vermögenswerte, Schulden und Eventual­verbindlichkeiten

(18) Geschäfts- oder Firmenwerte

Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze
Geschäfts- oder Firmenwerte

Ein Geschäfts- oder Firmenwert wird im Rahmen eines Unternehmenszusammenschlusses als Vermögenswert zum Erwerbszeitpunkt angesetzt. Von dem Wahlrecht zur Bewertung der nicht beherrschenden Anteile zum Erwerbszeitpunkt zu ihrem beizulegenden Zeitwert (Full-Goodwill-Methode) wird kein Gebrauch gemacht.

Durch den Wertminderungstest nach IAS 36 soll sichergestellt werden, dass Vermögenswerte nicht höher als mit ihrem erzielbaren Betrag in der Bilanz angesetzt werden. Der erzielbare Betrag ist dabei der höhere der beiden Beträge aus dem beizulegenden Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten und dem Nutzungswert.

Methodik der Wertminderungstests

Die Wertminderungstests der Geschäfts- oder Firmenwerte erfolgen auf Ebene der Unternehmensbereiche Life Science, Healthcare und Electronics. Diese Gruppen zahlungsmittelgenerierender Einheiten (ZMGE) stellen die niedrigste Ebene dar, auf der Geschäfts- oder Firmenwerte bei Merck für interne Managementzwecke überwacht werden.

Die Durchführung der Wertminderungstests erfolgt planmäßig einmal jährlich im 3. Quartal sowie anlassbezogen bei Vorliegen von Wertminderungsindikatoren. Die Existenz von Wertminderungsindikatoren wird anhand mehrerer Faktoren, beispielsweise auf der Basis von Veränderungen in den Mittelfristplanungen, Analystenprognosen, Multiplikatorbewertungen sowie der durchschnittlichen Marktkapitalisierung von Merck im Vergleich zum bilanziellen Konzerneigenkapital, überwacht.

Die Bestimmung des erzielbaren Betrags erfolgte im Geschäftsjahr 2024 ebenso wie im Vorjahr bei allen ZMGE auf Basis des beizulegenden Zeitwerts abzüglich Veräußerungskosten, der mithilfe der Discounted-Cashflow-Methode (Stufe 3 in der Bewertungshierarchie des IFRS 13) ermittelt wurde.

Im Rahmen der Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts werden die geplanten Nach-Steuer-Cashflows aus der von den Unternehmensbereichen erstellten Mittelfristplanung abgeleitet. Die Mittelfristplanungen aller ZMGE wurden im Vergleich zum Vorjahr zur Erhöhung der Genauigkeit um zwei Jahre verlängert und umfassen einen Zeitraum von sechs Jahren (Vorjahr: vier Jahre) beginnend ab dem Folgejahr. In der ZMGE Healthcare erfolgt ein Übergang auf die ewige Rente nach sechs Jahren (Vorjahr: vier Jahre) beginnend ab dem Folgejahr. Aufgrund umfangreicher Investitionen in die ZMGE Life Science und Electronics werden für diese zwei weitere Jahre (Vorjahr: vier weitere Jahre) nach dem Mittelfristplanungszeitraum unter Berücksichtigung geschäftsspezifischer Annahmen geplant und dann unter Anwendung einer nachhaltigen Wachstumsrate in die ewige Rente überführt.

Die Umsatzplanungen basieren auf internen Erfahrungswerten sowie überwiegend nicht am Markt beobachtbaren Inputfaktoren, wie beispielsweise über neue Produkte aus der Entwicklungspipeline, erwartete zukünftige Marktanteile, Verkaufspreise und -mengen sowie Erweiterungsinvestitionen. Die in der Planung angesetzten Ergebnismargen beruhen auf Erfahrungswerten, die um erwartete Profitabilitätsentwicklungen angepasst werden.

Der Diskontierungsfaktor nach Steuern wird auf Basis der nachfolgenden Inputparameter abgeleitet:

Inputparameter für Ableitung des Diskontierungsfaktors nach Steuern

Risikoloser Zinssatz

 

Abgeleitet aus der Rendite langlaufender Staatsanleihen nach der Svensson-Methode

Betafaktor

 

Abgeleitet aus der jeweiligen sektorspezifischen Peergroup

Marktrisikoprämie

 

Auf Basis einer Kombination aus unterschiedlichen Schätzmethoden; beispielsweise historischen und impliziten Aktienrenditen

Fremdkapitalkosten und Kapitalstruktur

 

Abgeleitet aus Marktdaten der jeweiligen Peergroup-Unternehmen

Die langfristige Wachstumsrate nach dem Detailplanungszeitraum wird unter Berücksichtigung des erwarteten langfristigen Wachstums und langfristiger Inflationserwartungen bestimmt.

Wesentliche wertbestimmende Annahmen

In der ZMGE Life Science belief sich das erwartete durchschnittliche Umsatzwachstum im Zeitraum bis zum Übergang in die ewige Rente auf einen höheren einstelligen Prozentsatz (Vorjahr: höherer einstelliger Prozentsatz). Die Umsatzerwartung der ZMGE Life Science stützt sich insbesondere auf die angenommene langfristige positive Entwicklung in den Geschäftseinheiten Process Solutions und Life Science Services, begründet durch ein weiterhin hohes Marktwachstum sowie die andauernde Erweiterung des Portfolios. Die angewandte EBITDA-pre-Marge im Zeitraum bis zum Übergang in die ewige Rente betrug nach Berücksichtigung anteilig allokierter Konzernkosten rund 30 % (Vorjahr: rund 31 %).

Die im Rahmen der Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts abzüglich Veräußerungskosten erwarteten Umsatzerlöse in der ZMGE Healthcare waren im Detailplanungszeitraum im Durchschnitt in etwa stabil (Vorjahr: Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich). Die Umsatzentwicklung beinhaltete die Zulassungswahrscheinlichkeit von Wirkstoffkandidaten aus den bestehenden Forschungs- und Entwicklungsprogrammen. Die verwendete EBITDA-pre-Marge im Zeitraum bis zum Übergang in die ewige Rente betrug nach Berücksichtigung anteilig zugeordneter Konzernkosten rund 31 % (Vorjahr: rund 30 %).

Bei der Ermittlung des erzielbaren Betrags der ZMGE Electronics belief sich das erwartete durchschnittliche Umsatzwachstum im Zeitraum bis zum Übergang in die ewige Rente auf einen höheren einstelligen Prozentsatz (Vorjahr: höherer einstelliger Prozentsatz). Die Umsatzerwartung der ZMGE Electronics beruht insbesondere auf dem langfristigen Wachstumstrend im Markt für Halbleitermaterialien sowie positiven Umsatzbeiträgen als Folge umfangreicher Investitionen. Die verwendete EBITDA-pre-Marge im Zeitraum bis zum Übergang in die ewige Rente betrug nach Berücksichtigung anteilig allokierter Konzernkosten rund 27 % (Vorjahr: rund 29 %).

Nachfolgend sind die weiteren wesentlichen wertbestimmenden Annahmen der Wertminderungstests der Geschäfts- oder Firmenwerte quantifiziert.

Wesentliche wertbestimmende Annahmen

 

 

Langfristige Wachstumsrate

 

Gewichtete Kapitalkosten
nach Steuern

in %

 

2024

 

2023

 

2024

 

2023

Life Science

 

2,00 %

 

2,00 %

 

8,3 %

 

8,2 %

Healthcare

 

1,00 %

 

1,00 %

 

6,3 %

 

6,3 %

Electronics

 

2,00 %

 

2,00 %

 

7,6 %

 

8,1 %

Zur Diskontierung der Nettozahlungsströme wurden Kapitalkosten nach Steuern zugrunde gelegt.

Bedeutende Ermessensentscheidungen und Schätzungsunsicherheiten

Geschäfts- oder Firmenwerte

Die Bestimmung des erzielbaren Betrags unterliegt Ermessensspielräumen und bedeutenden Schätzungsunsicherheiten. Annahmen zur Höhe der Nettozahlungsströme, der langfristigen Wachstumsraten sowie der Diskontierungsfaktoren sind aufgrund der ihnen innewohnenden Unsicherheit als wesentliche Quelle von Schätzungsunsicherheiten anzusehen. Obwohl seitens Merck davon ausgegangen wird, dass die zur Berechnung des erzielbaren Betrags verwendeten Annahmen angemessen sind, könnten Veränderungen dieser Annahmen zu Wertminderungsaufwendungen der Geschäfts- oder Firmenwerte führen, die eine nachteilige Auswirkung auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage haben können. Insbesondere in Bezug auf die ZMGE Electronics besteht eine hohe Abhängigkeit von den Annahmen zum langfristigen Wachstumstrend im Markt für Halbleitermaterialien.

Im Zeitpunkt der Durchführung der Wertminderungstests im Geschäftsjahr 2024 lag der erzielbare Betrag unverändert zum Vorjahr mit mehr als 15 % deutlich über dem Buchwert der jeweiligen ZMGE. Ungeachtet dessen wurden die Bewertungsergebnisse gegen extern verfügbare „Sum-of-the-parts“-Bewertungen verplausibilisiert sowie mittels Multiplikatorbewertungen auf Basis von Peergroup-Informationen validiert.

Im Rahmen der anlassunabhängigen Wertminderungstests wurden zudem Sensitivitätsanalysen der wesentlichen Annahmen vorgenommen. In der nachfolgenden Tabelle ist dargestellt, in welchem Umfang die wesentlichen Annahmen bei isolierter Betrachtung jeweils mindestens hätten verändert werden können, ohne dass es im Rahmen der Wertminderungstests zu einer Wertminderung gekommen wäre:

Änderung der wesentlichen Annahmen vor Identifizierung einer Wertminderung

 

 

Verminderung Nettozahlungsströme

 

Verminderung langfristige Wachstumsrate

 

Erhöhung Kapitalkosten nach Steuern

 

 

in %

 

in Prozentpunkten

 

in Prozentpunkten

 

 

2024

 

2023

 

2024

 

2023

 

2024

 

2023

Life Science

 

>10

 

>10

 

>2

 

>2

 

>2

 

>2

Healthcare

 

>10

 

>10

 

>2

 

>2

 

>2

 

>2

Electronics

 

>10

 

>10

 

>2

 

>2

 

>2

 

>2

Die nachfolgend dargestellten Geschäfts- oder Firmenwerte entstanden vor allem im Rahmen der Akquisitionen der Versum Materials, Inc., USA, der Sigma-Aldrich Corporation, USA, der AZ Electronic Materials S.A., Luxemburg, der Millipore Corporation, USA, sowie der Serono SA, Schweiz.

Geschäfts- oder Firmenwerte

 

 

Geschäfts- oder Firmenwerte

in Mio. €

 

Life Science

 

Healthcare

 

Electronics

 

Summe

Restbuchwerte, 1.1.20231

 

12.193

 

1.525

 

4.671

 

18.389

Zugänge

 

 

 

 

Abgänge aus Unternehmensveräußerungen/Umgliederung in zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte

 

 

 

 

Umbuchungen

 

 

 

 

Wertminderungen

 

 

 

 

Währungsumrechnungsdifferenz

 

-406

 

 

-138

 

-544

Restbuchwerte, 31.12.20231

 

11.787

 

1.525

 

4.532

 

17.845

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Restbuchwerte, 1.1.20241

 

11.787

 

1.525

 

4.532

 

17.845

Zugänge

 

468

 

 

122

 

590

Abgänge aus Unternehmensveräußerungen/Umgliederung in zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte

 

 

 

-162

 

-162

Umbuchungen

 

 

 

 

Wertminderungen

 

 

 

 

Währungsumrechnungsdifferenz

 

665

 

 

215

 

880

Restbuchwerte, 31.12.20241

 

12.919

 

1.525

 

4.708

 

19.152

1

Die Restbuchwerte entsprechen dem Bruttowert.

Die währungsbedingten Änderungen der Geschäfts- oder Firmenwerte resultierten nahezu ausschließlich aus der Umrechnung der zum überwiegenden Teil in US-Dollar geführten Geschäfts- oder Firmenwerte aus den Akquisitionen der Versum Materials, Inc., USA, der Sigma-Aldrich Corporation, USA, und der Millipore Corporation, USA.

Aus den durchgeführten Wertminderungstests der Geschäfts- oder Firmenwerte ergab sich weder im Geschäftsjahr 2023 noch im Geschäftsjahr 2024 ein Wertminderungsbedarf.

Die Zugänge im Geschäftsjahr 2024 waren auf die Akquisition von Mirus Bio LLC, USA, Unity‑SC SAS, Frankreich, sowie HUB Organoids Holding B.V., Niederlande, zurückzuführen (siehe Anmerkung (6) „Akquisitionen und Desinvestitionen“).

Die Umgliederung in zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte resultierte aus der geplanten Veräußerung des Surface-Solutions-Geschäfts (siehe Anmerkung (6) „Akquisitionen und Desinvestitionen“).

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