Forschung und Entwicklung

Wir sind ein diversifiziertes Wissenschafts- und Technologieunternehmen, das eine führende Position in den Bereichen Life Science, Healthcare und Electronics einnimmt. Im Einklang mit unserer neuen Vision, „Neues entdecken. Die Menschheit voranbringen“, streben wir Innovationen in allen drei Unternehmensbereichen an, um unsere Wachstumspläne zu verwirklichen. Wir erforschen und entwickeln weltweit neue Produkte, Dienstleistungen und Lösungen, um die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten zu verbessern sowie die Bedürfnisse unserer Kundschaft zu erfüllen. Dabei sind wir stets darauf bedacht, die Relevanz und Effizienz unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten weiter zu optimieren – ob eigenständig oder in Kooperation mit Dritten. Darüber hinaus verbessern wir kontinuierlich die Erfüllung unserer Nachhaltigkeitskriterien und integrieren diese bereits bei der Produktentwicklung in unsere Prozesse (siehe „(Konzern-) Nachhaltigkeitserklärung“).

Rund 6.400 Mitarbeitende (Vorjahr: rund 6.500 Mitarbeitende) arbeiteten im Geschäftsjahr 2024 in Forschung und Entwicklung (F&E) sowie in den entsprechenden unterstützenden Funktionen. Sie beschäftigten sich mit Innovationen, mit denen wir die langfristigen Gesundheits- und Technologietrends sowohl in etablierten Märkten als auch in Wachstumsmärkten bedienen können.

Die Aufwendungen für F&E betrugen im Berichtsjahr 2,3 Mrd. € (Vorjahr: 2,4 Mrd. €).

Die organisatorische Aufstellung unserer F&E-Aktivitäten folgt der Struktur von Merck. Im Unternehmensbereich Life Science treiben wir wissenschaftliche Durchbrüche mit innovativen Technologien für Anwendungen in den Naturwissenschaften und der Pharmaforschung voran, die lebensrettende, neuartige Therapien und Behandlungen für Erkrankungen wie Krebs und Diabetes ermöglichen. Im Unternehmensbereich Healthcare entwickeln wir innovative Therapien und setzen dabei auf unternehmenseigene Forschung und externe Partnerschaften. Im Unternehmensbereich Electronics beschleunigen wir die Entwicklung der nächsten Mikrochip-Generation, um Innovationen in der Halbleiter- und Displaybranche zu ermöglichen, die für KI-Anwendungen und die digitale Welt der Zukunft benötigt werden.

Auf Konzernebene wollen wir nicht nur innerhalb unserer Unternehmensbereiche, sondern auch zwischen ihnen Synergien schaffen und kontinuierlich neue Innovationsgebiete erschließen. Zu diesem Zweck sichten wir neue Technologien, Märkte und digitale Geschäftsmodelle, nutzen unsere bestehenden Ressourcen und Kompetenzen und kombinieren sie mit Daten und digitalen Technologien. Beispiele für unsere Aktivitäten in diesem Bereich sind Syntropy® und Athinia®, beides Partnerschaften mit Palantir. Die Plattformen ermöglichen sichere KI-gestützte Datenströme und Ökosysteme für die gemeinsame Nutzung von Daten. Sie können dadurch zur Effizienzsteigerung beitragen, während gleichzeitig sichergestellt ist, dass die beteiligten Partner die Kontrolle über ihr geistiges Eigentum behalten.

Im Januar 2024 eröffneten wir den Merck Digital Hub in Singapur. Der vom Singapore Economic Development Board geförderte Digital Hub verfolgt das Ziel, den Fortschritt im Gesundheitssektor und in der Halbleiterindustrie voranzutreiben. An diesem Knotenpunkt für Digitalisierung bündelt sich das Know-how von Syntropy® und Athinia®, sodass Eigentümer von Daten diese unternehmensübergreifend integrieren und kuratieren können.

Darüber hinaus erschließen wir weiterhin Möglichkeiten an der Schnittstelle zwischen unseren Unternehmensbereichen und konvergierenden Technologien. Wir wollen so Lösungen entwickeln, die unsere drei Unternehmensbereiche in die Lage versetzen, den von ihnen bedienten Branchen einen Mehrwert zu bieten:

  • Wir arbeiten weiter am Aufbau unserer automatisierten Entwicklungs-, Herstellungs-, Test- und Analyseplattform. Diese beruht zum einen auf Laborautomatisierung und zum anderen auf AIDDISON™, unserer auf generativer KI basierten Plattform zur Entdeckung neuer Wirkstoffe. Nach der Einführung durch Life Science im Geschäftsjahr 2023 aktualisierten wir AIDDISON™ 2024, um den Anforderungen unserer Kunden noch besser gerecht werden zu können. Neben der externen Vermarktung nutzen wir die Software in unserem Unternehmensbereich Healthcare auch intern in frühen Stadien der Arzneimittelforschung. Unser Programm AI for Drug Discovery wird die Entdeckung neuer und besserer Wirkstoffkandidaten beschleunigen und somit auch die Zeit verkürzen, bis neue Therapien den Patientinnen und Patienten zur Verfügung stehen.
  • Wir nutzen die Kompetenzen in unseren Unternehmensbereichen bei der Synthese von mRNA (Messenger-Ribonukleinsäure), der Synthese und Formulierung von Lipid-Nanopartikeln (LNP), dem gezielten Wirkstofftransport sowie im Bereich KI, um die Entwicklung „smarter“ LNPs zu ermöglichen. Diese sollen in der Lage sein, effektiver in unterschiedliche Gewebetypen einzudringen, einschließlich schwer erreichbarer biologischer Zielstrukturen (Targets), zur Behandlung verschiedener Erkrankungen.
  • Unsere Pipeline im Unternehmensbereich Healthcare bereichern wir durch eine neuartige, auf Antikörper gerichtete Arzneimittelmodalität, die auf die Proteolyse abzielende Moleküle (PROTACs) gezielt zu Tumorzellen bringen kann. Die neu entwickelte und zum Patent angemeldete Technologie birgt das Potenzial, zwei Wirkstoffmoleküle zielgerichtet freizusetzen, um so einen Gewebe- und Target-selektiven Abbau zu ermöglichen. Angewendet werden kann die „Plug-and-Play“-Technologie auf mehrere therapeutische Targets in verschiedenen Therapiegebieten. Dies könnte sowohl den Bereich der Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (Antibody-Drug Conjugates, ADC) als auch den PROTAC-Bereich revolutionieren.

Im Geschäftsjahr 2024 schlossen wir außerdem mehrere Pilotprojekte im Rahmen unseres Smartfacturing-Programms, also anpassungsfähiger, modularer „intelligenter Fabriken“ („Smart Factories“), erfolgreich ab, darunter die Entwicklung und Implementierung einer neuen Automatisierungstechnologie zur Anlagenvernetzung für die Produktion im Einklang mit den Richtlinien der Guten Herstellungspraxis (Good Manufacturing Practice, GMP). Bei dieser Technologie kommen spezielle Softwarekomponenten, sogenannte Module Type Packages (MTP), zum Einsatz, mit deren Hilfe verschiedene Geräte und Anlagen in der Produktion auf der Grundlage eines gemeinsamen Standards miteinander vernetzt werden können. Die neue Automatisierungstechnologie wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert.

Anwendung findet sie derzeit in unserer Arzneimittel- und Chemikalienproduktion. Sie lässt sich aber auch in vielen anderen Produktionsprozessen und Zweigen der Fertigungsindustrie einsetzen. Um unsere Initiativen weiter voranzutreiben und zukunftsweisende Projekte in unseren drei Unternehmensbereichen auf den Weg zu bringen, sind wir eine strategische Partnerschaft mit Siemens eingegangen. Die Kombination unseres Know-hows in Life Science, Healthcare und Electronics mit der führenden Position von Siemens als Entwickler fortschrittlicher Hard- und Software wird die Gestaltung schnellerer, kostengünstigerer und nachhaltigerer Produktionsprozesse ermöglichen.

Die folgende Tabelle stellt die Forschungs- und Entwicklungskosten je Unternehmensbereich im Geschäftsjahr 2024 sowie im Vorjahr dar:

Forschungs- und Entwicklungskosten

 

 

 

 

 

 

Veränderung

in Mio. €

 

2024

 

2023

 

In Mio. €

 

in %

Life Science

 

388

 

396

 

-9

 

-2,2 %

Healthcare

 

1.503

 

1.657

 

-154

 

-9,3 %

Electronics

 

297

 

297

 

 

-0,2 %

Konzernkosten und Sonstiges

 

92

 

94

 

-3

 

-2,7 %

Summe

 

2.279

 

2.445

 

-166

 

-6,8 %

Die Forschungsquote betrug, bezogen auf den Konzernumsatz, 10,8 % (Vorjahr: 11,6 %). Sie ist aufgrund der positiven Umsatzentwicklung und Einstellung klinischer Studien in Healthcare gesunken.

Diese Seite teilen: