Mindestens die Hälfte der Weltbevölkerung hat immer noch keinen ausreichenden Zugang zur Gesundheitsversorgung. Wir sind bestrebt, Gesundheitslösungen erschwinglich zu machen und das Bewusstsein für Krankheiten zu schärfen. Unser Ziel ist eine gesündere Zukunft für alle. Wir wollen wissenschaftliche Innovationen nutzen, um die Gesundheit unterversorgter Bevölkerungsgruppen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen zu verbessern. Für dieses Ziel setzen wir unser Know-how aus allen Unternehmensbereichen ein und arbeiten eng mit vielen verschiedenen Partnern zusammen. Wir beteiligen uns außerdem an branchenweiten Initiativen zur Entwicklung neuer Ansätze.
Unsere Global-Health-Strategie
Schwerpunkte unserer Global-Health-Strategie sind die Bekämpfung von Bilharziose und Malaria als Probleme der öffentlichen Gesundheit – sowie die Prävention und Kontrolle nicht übertragbarer Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck in Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen. Unsere Projekte und Programme werden dabei von dem Shared-Value-Konzept geleitet: Durch die Nutzung unserer Produkte und Dienstleistungen schaffen wir einen messbaren und langfristig positiven Mehrwert für die Gesellschaft. Für uns bedeutet das: Wir entwickeln Geschäftsmodelle, mit denen wir den Wert und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Unternehmens steigern. Das erreichen wir, in dem wir Lücken in der Gesundheitsversorgung schließen und die Gesundheitssysteme vor Ort stärken.
Unser Kampf gegen Bilharziose
Bilharziose, eine tropische Wurmkrankheit, ist eine der häufigsten parasitären Infektionen in Afrika. Sie stellt eine erhebliche Belastung für die öffentliche Gesundheit und die örtliche Wirtschaft dar. Von der Krankheit sind weltweit fast 240 Millionen Menschen betroffen. Mehr als 90 % der Krankheits- und Todesfälle treten in Afrika auf. Jedes Jahr sterben ungefähr 200.000 Menschen an den langfristigen Folgen ihrer Infektion. Dazu gehören unter anderem Leber- und Nierenentzündungen, Blasenkrebs, die Genitalbilharziose und Blutarmut. Besonders anfällig für die Krankheit sind Schulkinder.
Unser oberstes Ziel ist es, die Krankheit als öffentliches Gesundheitsproblem auszurotten. Hierzu haben wir eine ganzheitliche Bilharziose-Strategie eingeführt, die wir in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern weltweit umsetzen. Dieser Ansatz konzentriert sich auf fünf Bereiche: Behandlung; Forschung und Entwicklung (F&E); Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH); Gesundheitsbildung; Interessenvertretung und Partnerschaften.
Im Rahmen unserer langjährigen Partnerschaft mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verpflichten wir uns dazu, jedes Jahr bis zu 250 Millionen Praziquantel-Tabletten zur Verteilung in den betroffenen Ländern zur Verfügung zu stellen. Sie wurden bisher in 47 betroffenen afrikanischen Ländern verteilt, um Schulkinder zu behandeln. 2020 spendeten wir rund 226 Millionen Tabletten für 30 Länder – davon 27 in Subsahara-Afrika. Gemeinsam mit der Global Schistosomiasis Alliance beteiligten wir uns an den Konsultationen der WHO im Vorfeld der neuen NTD-Roadmap, die im Herbst 2020 von der Weltgesundheitsversammlung verabschiedet wurde.
Im Laufe der Zeit entwickelten wir ein Portfolio von Forschungs- und Entwicklungsprojekten zur Bilharziose. Hierzu zählt eine neue pädiatrische Formulierung von Praziquantel zur Behandlung von Kindern unter sechs Jahren. Dieses von einem Partnerkonsortium durchgeführte Projekt befindet sich in Phase III der klinischen Entwicklung, um Daten für eine Zulassung zu generieren. Weitere Projekte sind beispielsweise die Einrichtung einer Plattform für die Identifizierung neuer Medikamente zur Vorbeugung und Behandlung der Bilharziose oder die Entwicklung hochempfindlicher Diagnosemethoden für Bilharziose und andere vernachlässigte Tropenkrankheiten. In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Janssen entwickeln wir ein mit künstlicher Intelligenz ausgestattetes Diagnosetool und suchen nach neuen Technologien zur Übertragungskontrolle.
Gemeinsam gegen Malaria
Jedes Jahr werden weltweit mehr als 200 Millionen Malariafälle und über 400.000 Todesfälle im Zusammenhang mit Malaria erfasst. Fast 70 % der Todesfälle betreffen Kinder unter fünf Jahren. Über 90 % der Todesfälle ereignen sich in Afrika. Mit unserem Programm Gemeinsam gegen Malaria rufen wir mehrere Initiativen und Projekte für neue Behandlungen, Diagnostik, Präventionsmethoden und Ansätze zur Stärkung der Gesundheitssysteme ins Leben. Im Rahmen dieses ganzheitlichen Programms befinden wir uns in der frühen klinischen Entwicklung eines innovativen Medikaments (M5717) zur Prävention und Behandlung von Malaria.
Darüber hinaus arbeiten wir daran, unser Insektenschutzmittel IR3535® als Methode zur Prävention von Malaria in Afrika verfügbar zu machen. Gemeinsam mit unseren Partnern in Ghana testen wir IR3535® im Rahmen eines neuen Programms. Dabei verwenden wir eine neue Formulierungstechnologie für lang anhaltende Wirksamkeit, damit das Produkt weniger häufig angewendet werden muss. Unser Wirkstoff ist bereits in Insektenschutzmitteln enthalten und dient dem Schutz vor Insekten- und Zeckenbissen, bei denen Krankheiten wie Lyme-Borreliose, Zika, Dengue-Fieber und Chikungunya-Fieber übertragen werden können.
Herausforderungen der Bezahlbarkeit lösen
Unsere proaktive Herangehensweise zum Austausch und Schutz geistigen Eigentums ermöglicht die Erforschung von Lösungen für globale Gesundheitsprobleme, von denen Millionen von Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen betroffen sind. Wir schufen einen Rahmen für offene Innovation (Open Innovation), damit innovative Methoden der Behandlung von Infektionskrankheiten schneller erforscht werden können. Für die Wirkstoffforschung gewähren wir freien Zugriff auf unsere firmeneigene Substanzbibliothek, um die Identifizierung neuer Medikamente zu erleichtern. Entsprechend unserer Mission, die Gesundheit der unterversorgten Bevölkerung in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen zu verbessern, arbeiten wir mit gemeinnützigen Organisationen sowie der Wissenschaft zusammen und fördern gemeinsame Anstrengungen.
Im Rahmen unserer Open-Innovation-Initiativen leisten wir Beiträge zum Konsortium WIPO Re:Search der World Intellectual Property Organization (Weltorganisation für geistiges Eigentum) und des BVGH (BIO Ventures for Global Health), das die Privatwirtschaft in die Frühphase der Forschung und Entwicklung von Impfstoffen, Diagnostik und Medikamenten gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten (einschließlich Bilharziose), Malaria und Tuberkulose einbindet. Als Mitglied der DNDi (Drugs for Neglected Diseases initiative, Initiative für Medikamente gegen vernachlässigte Krankheiten) setzen wir uns außerdem für die Beschleunigung der Erforschung neuer Medikamente gegen Infektionskrankheiten ein. Diese Initiative bestätigte den Erfolg eines transformativen offenen Innovationsmodells, durch das die teilnehmenden Unternehmen gleichzeitig neue Behandlungsmethoden erkunden können. Zusätzlich zu unseren Open-Innovation-Initiativen – einschließlich der neuen Open Global Health Library – verabschiedeten wir eine Richtlinie, wonach wir in vielen Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen keine Patente anmelden oder durchsetzen und unsere Patente und Patentanmeldungen mithilfe einer öffentlich zugänglichen Datenbank (Pat-Informed) zugänglich machen.
Förderung des Zugangs und Verbesserung der Lieferkette
Mit unserem Ansatz für den Zugang zu Gesundheit (Access to Health) zielen wir darauf ab, jene Lücken im Gesundheitssystem zu schließen, die unterversorgten Bevölkerungsgruppen den Zugang zur Gesundheitsversorgung verwehren. In Zusammenarbeit mit unseren Partnern identifizieren und entwickeln wir Lösungen, wie beispielsweise zukunftsfähige Zugangsmodelle für vernachlässigte und nicht übertragbare Krankheiten in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen.
Außerdem fördern wir Initiativen zur Stärkung der Versorgungsketten und zur Gewährleistung einer gezielten Arzneimittelversorgung in diesen Ländern. NTDeliver etwa ist ein digitales Informationstool zur Verbesserung der Transparenz in den durch öffentlich-private Partnerschaften geschaffenen Lieferketten für Arzneimittelspenden. Die Lieferungen von Unternehmen, die Spendenprogramme durchführen, werden eindeutig nachverfolgt – von der Bestellung bei der WHO bis zur Lieferung an das erste Warenlager im Zielland. Das sorgt für bessere Koordination und Effizienz und bietet einen transparenteren Überblick über den Bestand im jeweiligen Land. Mithilfe unseres Tools NTDeliver überwachen wir, wie viele Bilharziose-Medikamente die Schulen erreichen. Dabei geht es vor allem um die Zahl der Zustellungen auf der „letzten Meile“ in abgelegene, ländliche Gegenden, beispielsweise in Kenia.
* Die Inhalte dieses Kapitels bzw. dieses Abschnitts sind freiwillige Angaben und daher nicht geprüft. Unser Abschlussprüfer hat den Text jedoch kritisch gelesen.